Die Auswirkungen der Halbleiterkrise auf die Automobilproduktion

Halbleiter bestimmen unser tägliches Leben. Denn ohne sie läuft buchstäblich nichts in unserem Alltag - vom Mobiltelefon über den Arbeitsrechner, unverzichtbar auch in unserem eigenen Automobil. Und ausgerechnet diese Halbleiter wurden in den letzten Monaten zu einer echten Mangelware. Es drohen weiterhin deutlich längere Lieferfristen und ein nicht unbedingt besserer Ausblick auf 2022 - denn die Nachfrage nach den Halbleitern übersteigt das derzeitige Angebot signifikant. Was bedeutet das für den Automarkt hier in der Schweiz?


Halbleiter bleiben bis 2023 hinein ein knappes Gut

Eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Roland Berger geht davon aus, dass Chips für den Einsatz in unseren Fahrzeugen auch bis in das Jahr 2023 ein knappes Gut bleiben. Zugrunde liegen diesem Engpass der Chips die aktuellen Schwierigkeiten bei den Lieferketten. Während die Nachfrage nach Halbleitern bis zum Ende des Jahres 2022 um 17 Prozent steigt, wächst das Angebot nach Auffassung der Berater um gerade einmal sechs Prozent. Die Hersteller von Halbleitern produzieren hierbei mit 97 Prozent Auslastung am Limit, eine rasche Ausweitung dieser Produktion ist nicht möglich.

Klein, handlich und heiss begehrt. Halbleiter sind immer noch ein rares Gut

Wie kam es zu diesem Mangel an Halbleitern in der Automobilindustrie?

Der wohl naheliegendste Grund für die Chip-Knappheit liegt in ihrem eigenen Erfolg. Mobiltelefone, Computer, TVs, Spielekonsolen aber eben auch der Siegeszug der elektrischen Fahrzeuge, Smart Homes, Fertigungsanlagen etc. - es gibt eigentlich kaum ein Produkt mehr, das nicht Halbleiter benötigt.

Im Alltag begegnen uns die unterschiedlichsten Halbleiter, im Smart Home wie im E-Auto

Dabei sind die Anforderungen so vielfältig wie die Halbleiter selbst. So ist ein Chip für einen Industrieroboter nicht so einfach in einem Elektroauto einsetzbar. Es kommt also auf das Design für die Anwendung an. Und bei diesen Spezifikationen steht Europa klar in Abhängigkeit asiatischer Produzenten. Abhängig von der Funktionsart des Halbleiters finden sich 4-5 Unternehmern, die sich den überwiegenden Anteil am Weltmarkt aufteilen. Europäische Unternehmen darunter: Fehlanzeige. Die beiden Länder mit den modernsten Fertigungsmöglichkeiten sind heute Taiwan und Südkorea.


Keine neuen Kapazitäten für die alten Chipgenerationen


Die Situation spitzt sich für die Automobilhersteller vor allem deshalb zu, da neue Kapazitäten nicht für die Herstellung älterer Halbleiter aufgebaut werden. Die hiesigen Hersteller setzen mit ihrer aktuellen Design-Philosophie bei den Halbleitern noch immer auf ältere Chipgenerationen. Und das betrifft vor allem die Verbrennerfahrzeuge. Hier sind die Halbleiter der älteren Generation eingebaut. Schätzungen gemäss finden sich ca. 95 Prozent der aktuellen Elektronik-Architekturen in Autos mit Verbrennungsmotoren.

Ein echter Vorteil: Chips der neuen Generation werden in jungen Modellen verbaut


Zwar ist die Automobilindustrie gerade auf dem Weg, die Elektronik der Modelle neu aufzustellen. Doch werden nach Auffassung der Berater die traditionellen Unternehmen für diese Umstellung noch mehr als fünf Jahre benötigen. Die neuen, jungen Automobilhersteller mit ihrem Fokus auf E-Autos, digitale Funktionen oder sogar dem Autonomen Fahren setzen auf Chips der neuen Generation. So verschaffen sie sich einen Vorsprung gegenüber den etablierten Marken.


Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, sich beim Kauf eines Autos für die elektrische Variante zu entscheiden. Hier findet ihr den Link zu den elektrischen Autos auf CAR FOR YOU - viel Spass beim Stöbern.





Michael Brecht
Mobility Enthusiast und Publisher

Mich interessieren Lösungen zu aktuellen Fragen der Mobilität. Hier auf CAR FOR YOU schreibe ich über meine persönlichen Erfahrungen mit Elektroautos, der Ladeinfrastruktur und Innovationen der Elektromobilität.